Idylle am See

In nur 20 Minuten radelt man aus der Hektik der City direkt an den Kiesstrand: zum Spazieren, Grillen, Baden, Beachen und mehr. Wie nutzen Menschen jeden Alters das weitläufige Erholungsgebiet an Hochablass und Kuhsee? Diese Frage klärt unser Rundgang um den See.

Dieser Artikel wurde im April 2019 im Stadtteilmagazin Augsburg, Ausgabe „Hochzoll“ veröffentlicht.

Der Kuhsee kennt unzählige Stimmungen: Früh am Morgen, wenn sich wenige Läufer und Hundebesitzer die Wege teilen, liegt sein Wasser ruhig im Becken. An heißen Tagen schallen die Ufer vom Johlen der Kinder auf den Spielplätzen des städtischen Naherholungsgebiets. Und im Winter? Hoffen Spaziergänger auf bald tragfähiges Eis. Kurzum: Der Kuhsee in Hochzoll ist ein besonderer Ort – das ganze Jahr über. Wohl jeder Augsburger verbindet persönliche Erinnerungen mit ihm.

Unsere Runde startet auf dem neuen Fußgängersteg des denkmalgeschützten Hochablass-Wehrs, das Teil der Augsburger UNESCO Welterbe-Bewerbung ist. Von hier aus zeigt der künstliche See seine volle Ausdehnung: Er ist bis zu 1.100 Meter lang und zirka 200 Meter breit.

Es braucht genau 4.102 Schritte, um den See zu umrunden. Das haben wir gezählt.

Schritt 1 Mit der „Schwarzen Kiste“ ist am Hochablass endlich wieder Leben eingezogen. Die Luft ist kühl an diesem Frühlingstag. Bei knapp über zehn Grad Celsius genießen Menschen die Mittagssonne im Biergarten.Nur ein paar Meter weiter, an Seelounge und Bootsverleih vorbei, beginnt der Kiesstrand. Bei jedem Schritt schaben und knirschen die Steine unter den Füßen. Kuhsee-Feeling pur.

Liane Eckl ist mit dem Rad aus dem Domviertel gekommen, Buch und Campingstuhl im Gepäck. „Ich mag die Natur, wenn noch nicht so viele Menschen hier sind“, sagt die E-Learning-Entwicklerin.

Das Reich der Kinder beginnt beim Planschbereich, Schritt 828. Die beiden Abenteuer-Spielplätze mit Blick auf den See sind selten leer – auch heute nicht. „Alle Anlagen und Spielgeräte sind überaus reizvoll“, stimmen Barbara und Hannes Herzog aus Neusäß überein, „aber wir schätzen auch die Westseite des Sees.“ Dort sei weniger los und Tochter Franziska könne das Ufer gut mit dem Laufrad erkunden.

„Wir schätzen den Kuhsee als ganzjährigen Freizeitort. Nur zum Baden mit Kindern ist uns der See leider zu überlaufen“, sagen Barbara und Hannes Herzog mit Tochter Franziska (2,5 Jahre).

Viele Familien kommen gerne in das weitläufige Naherholungsgebiet in Hochzoll mit seinen drei Kinderspielplätzen, Tischtennisplatten, Beach-Volleyball-Feld und dem Fitness-Parcours. Mitarbeiter des Grünamtes der Stadt Augsburg warten die Spielgeräte, pflegen und säubern Grünanlagen, Grillzonen und Liegewiesen. Während der Badesaison prüft das Gesundheitsamt im Vier-Wochen-Rhythmus die Wasserqualität. 

Lust zum Schwimmen? Unweit der Tischtennisplatten springt Amelie Michalke mit ihrer Studenten-Clique ins Wasser. Das frische Bad dauert nur kurz. „Nach dem Schwimmen ist die Luft gar nicht kalt“, lacht sie mit der März-Sonne um die Wette.

„Schwimmen im März? Das war nur ein Test. Viel lieber genieße ich den See im Sommer mit Freunden beim Grillen“, sagt die Studentin.

Am Südende des Sees, Schritt 1.923, rauchen die ersten Grills. Danach wird es auf dem Weg ruhiger. Wer am Westufer spaziert, trifft auf Angler. Richtig: Am Kuhsee darf geangelt werden. Fischereirechtlich handelt es sich um keinen See, sondern einen Nebenarm des Lechs. Es gilt das alte Recht der Augsburger Stadtfischer, dass ihnen alles gehört, was der Lech nimmt und was er gibt.

Zurück über den verbreiterten Übergang beim Lech zum Hochablass, Schritt 4.102. Hier tummeln sich viele Menschen. Wir treffen Veronika und Reinhard Gerber: „Früher liebte unser Sohn die Spielplätze am See. Heute spazieren wir als Paar mehrmals pro Woche am Ufer.

Veronika und Reinhard Gerber blicken von der Brüstung übers Wasser. „Wir kommen zwei bis drei Mal pro Woche zum Spazieren her“, sagen sie. Ihre Schritte um den See haben die beiden Rentner aus Hochzoll noch nicht gezählt – dafür kennen sie die Natur am Kuhsee in allen erdenklichen Stimmungen.

KUHSEE: DAMALS UND HEUTE

BIS 1900 führt man Kuhherden zum Tränken an einen Altwasserarm des Lechs. Dieser heißt im Volksmund Kuhsee.

1951 werden Kuhsee und östlicher Uferschutzstreifen des Lechs unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt.

1967 gibt es Pläne, ein Trinkwasserschutzgebiet westlich des Lechs einzurichten und den Kuhsee als Erholungsgebiet zu gestalten.

1970 – 72 entsteht der heutige Kuhsee. Nach dem Hochwasser von 1970 werden Dämme entlang des Lechs gebaut, den Kies gewinnt man aus dem Altwasserarm und formt so das Becken des Sees. Zu den olympischen Sommerspielen 1972 wird das Erholungsgebiet gestaltet.

1979 beginnt der Abriss des Ausflugslokals westlich des Lechs, weil dessen Betrieb das Trinkwasser gefährdet. Als Ersatz dient das heutige Restaurant „Seelounge“ am Kuhsee.

2018 wird die umfangreiche Sanierung des Hochablasses abgeschlossen.